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Es saugt und bläst der Heinzelmann ... (Loriot)

Holzpelletskessel von Guntamatic
Holzpelletskessel von Guntamatic Pelletkessel mit Saugturbine und Vorratsbehälter

Der Einsatz von Förderschnecken - gleich welcher Art - setzt ein unmittelbares Nebeneinander von Heiz- und Lagerraum voraus - ein Umstand, auf den aber nicht jeder Hausbesitzer zurückgreifen kann. Dennoch muß niemand auf eine Pelletsheizung verzichten, nur weil ein geeigneter Lagerraum lediglich in der gegenüberliegenden Hausecke aufzutreiben ist. Bei den Saugsystemen werden eine ganze Reihe von Lösungen angeboten, die sich vor allem in der Art und Weise unterscheiden, wie die Pellets im Lagerraum selbst durch das System aufgenommen werden. Außerdem ist zwischen "offenen" und "geschlossenen" Systemen zu unterscheiden. Bei den "offenen" Systemen ist die Saugturbine am Ende des Systems angeordnet. Damit ggf. entstehender Staub nicht in den Heizraum entweicht, wird die Luft in der Saugturbine gefiltert. Bei einem geschlossenen System dagegen ist die Saugturbine (vulgo: Staubsauger) nicht am Ende des Saugsystems angeordnet, sondern in dieses intergriert. Die Luft wird durch einen zweiten Schlauch in den Lagerraum zurückgeleitet.

Nicht ganz unwichtig für die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes System ist auch die Art und Weise, wie die Pellets im Lagerraum aufgenommen werden. Als einfachste Lösung wäre hier das sog. "Saugsystem mit Lanzen" zu nennen. Unter "Lanze" versteht man dabei eine Art Rohr, daß durch einen Mauerdurchbruch in den Lagerraum geschoben wird und durch das die Pellets abgesaugt werden. Dabei kommt es zu einer relativ schlechten Entleerung des Lagerraumes, da die Pellets immer nur an einem Punkt entnommen werden. Abhilfe kann hier nur durch aufwändige Schrägbodenkonstruktionen (mit dem dann automatisch nachfolgendem Verlust an Lagervolumen) oder dadurch geschaffen werden, daß der Lagerraum mit mehreren Öffnungen versehen wird,

in die die Sauglanze dann umgesteckt werden kann.


Das erfordert jedoch eine vermehrte Aufmerksamkeit durch den Betrieber der Heizung, damit die Lanze auch rechtzeitig umgesteckt wird. Aber eigentlich sollte doch eine Pelletheizung - zumindest im täglichen Betrieb - so wenig Aufmerksamkeit wir möglich erregen. Durchaus geeignet ist der Einsatz einer Sauglanze bei hohen und quadratischen Lagerräumen. Wenn hier noch entsprechende Bodenschrägen eingebaut werden, kann ein solcher Lagerraum auch sehr gut über nur einer Saugstelle entleert werden.

Wer auf solche quadratischen Verhältnisse nicht zurückgreifen kann, sollte an Stelle der Lanzen ein Saugsystem mit Sonden in Erwägung ziehen. Diese Sonden (i.d.R. drei) werden in einer Linie über die Länge des Lagerraumes verteilt und fest montiert. Von jeder Sonde führen zwei Schläuche (einer holt die Pellets, der andere bringt die überflüssige Luft zurück) an eine außerhalb des Lagerraums liegende Umschalteinheit. Diese Umschalteinheit bestimmt, über welche Sonde im Lagerraum gerade Pellets entnommen werden. Einige Hersteller bieten Umschalteinheiten an, die automatisch zwischen den Sonden wechseln. Von dieser Umschalteinheit geht die Reise der Pellets dann weiter bis in den Vorratsbehälter der Pelletheizung.

Im Gegensatz zu der oben beschriebenen Lanzenvariantezu führt die Entnahme der Pellets über mehrere Sonden zu einer besseren Entleerung des Lagerraumes. Werden jetzt noch Bodenschrägen montiert, haben Sie einen fast idealen Lagerraum.

Pelletslager mit Saugaustragung
Pelletslager mit Saugaustragung Kombinationen aus Schnecke und Saugsystem führen zu einer guten Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Lagerraumes bei hoher Flexibilität in der Auswahl von Heiz- und Lagerraum.

Leider bilden Pellets relativ steile Schüttwinkel. Daher kann es notwendig werden - wenn der Pelletvorrat zu Ende geht - die sich ausbildenden Kegel unter Zuhilfenahme der ortsüblichen Gerätschaften wie Harke, Rechen, Schippe oder Schaufel abzuziehen, damit auch die restlichen Pellets von den Sonden abgesaugt werden können. Sie können zu diesem Zweck auch Ihren Nachwuchs - falls dieser noch jung und begeisterungsfähig ist - mal eine Runde im Lagerraum drehen lassen. Das führt auch zu dem gewünschten Effekt. Und an eine Tür im Lagerraum hatten Sie ja gedacht?!

Im übrigen sollte diese Schüttwinkelproblematik den Saugsystemen nicht über die Maßen stark angelastet werden - verstehen Sie es lieber als kostenloses Frühwarnsystem für den zur Neige gehenden Brennstoffvorrat. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Pelletheizung, die ein ganzes Jahr automatisch an- und ausgeht, sich reinigt und die Asche komprimiert, darüber in Vergessenheit gerät und sich erst wieder in Erinnerung bringt, wenn nichts mehr geht, weil keine Pellets mehr gefördert werden. Erfahrungsgemäß passiert so etwas meist am 24.12 gegen 17.00 Uhr. Es ist dann ein tolles Gefühl, wenn Sie nach einem Blick in Ihren Lagerraum feststellen, daß Sie nur ein Schaufel holen und nicht hier nachsehen müssen.

Der Vollständigkeit halber sei auf eine zwar seltene, aber dennoch nicht auszuschließende Störungsursache beim Einsatz von Saugsystemen hingewiesen - die sog. Brückenbildung. Die Entnahme von Pellets an immer derselben Stelle kann dazu führen, daß sich über dieser Stelle eine Art Kuppel bildet. Die Sonde oder Lanze liegt jetzt frei und kann keine Pellets mehr ansaugen. Das kommt nun mit Sicherheit nicht drei Mal pro Woche und auch nicht drei Mal pro Jahr vor - man sollte es halt nur wissen und wenn der Sauger tatsächlich einmal nichts mehr saugt, obwohl noch soooo viele Pellets im Lager sind, erst einmal kurz durch selbiges hüpfen, bevor man den Kundendienst ruft.

Saugsysteme haben somit systembedingte Schwächen vor allem in der Aufnahme der Pellets - genau dort also, wo die Schneckensysteme ihre Stärken haben. Diese wiederum lassen in puncto Flexibilität einige Wünsche offen - genau das aber kann man von den Saugsystemen nicht behaupten. Vielleicht ja gerade deshalb bietet eine steigende Zahl von Herstellern Kombi-Systeme aus Schnecke und Saugsystem zur Pelletaustragung an.

Saugsystem können Holzpellets über Entfernungen von 15 bis 20 m fördern.

Die Holzpellets werden also zunächst durch eine Schnecke, die auf dem Boden des Lagerraumes verläuft, in eine Art "Übergabestation" befördert. Von dort aus werden sie dann in den Vorratsbehälter gesaugt. Wer sich jetzt noch die Mühe macht, und im Lagerraum eine Bodenschräge bastelt, kann eine im Verhältnis zum Raumvolumen sehr große Menge Pellets lagern, die dann auch sicher und relativ vollständig ausgetragen werden kann. Bei diesem System lassen sich also die Vorteile der Schnecke (störungsfreie Austragung bei hoher Lagerkapazität) mit den Vorteilen der Sauganlage (Unabhängigkeit von Heiz- und Lagerraum) miteinander verbinden.

Die sensiblen Naturen unter Ihnen möchten wir darauf hinweisen, daß das Ansaugen der Holzpellets mit einer gewissen Lärmentwicklung verbunden ist - nicht weil die Pellets so laut klappern, sondern weil der "Sauger" mittels Motor betrieben wird. Jedoch beschränkt sich dieser "Lärm" auf wenige Minuten am Tag und zudem kann man der Sauganlage auch "verbieten" zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr ihrer Arbeit nachzugehen.